Montag, 3. Februar 2014

Der Höllenmaschinist - Teil 15 der Fortsetzungsgeschichte

     „Mach schon.“ Er streifte die Ärmel seines Overalls ab.
     Mai-Li zitterte bloß, war unfähig zu einer Bewegung. Leroy zeigte mit der Pistole, was er von ihr erwartete. Als sie immer noch nicht reagierte, fasste er unter ihr Kleid und riss mit einer kräftigen Bewegung das Höschen in Fetzen. 
     Endlich fügte sie sich. Wimmernd und zitternd sank sie zu Boden.
     Er sah Mona an. „Und du bleibst schön hier.“
     Sie nickte stumm.
     „Meine Kanone ist geladen.“ Er lachte über seinen zweideutigen Witz.
     Leroy überlegte, wie er sie beide in Schach halten sollte. Den Overall hatte er bereits bis zu den Knien herabgezogen, er konnte die Waffe nicht mehr in die Tasche stecken. Er konnte sie aber auch nicht in der Hand halten, wenn er sich zugleich auf Mai-Li legte, und das wollte er unbedingt, denn er wollte ihr dabei ins Gesicht sehen. Er konnte die Waffe auch nicht auf den Boden legen, denn dort könnte die andere Frau an sie herankommen, und er wollte unbedingt, dass sie dabei zusah, dass sie ganz dicht daneben stand.
     „Ach Scheiße.“ Er nahm den Lauf zwischen die Zähne und bückte sich zu seinem Opfer herab.
     Mai-Li schrie ein letztes Mal auf, danach verstummte sie endgültig. Leroy drängte sich zwischen ihre Beine, er hatte sofort eine Erektion, was ihn selbst überraschte. Er wischte den Speichel von seinem Mund und verschmierte ihn über ihrem Unterleib; dann drang er in sie ein und begann sie heftig zu stoßen. Es machte ihm großen Spaß, selten hatte er so viel Spaß beim Sex gehabt. Natürlich kannte er Vergewaltigungen aus Pornofilmen, aber diese Szenen waren gestellt, man sah immer, dass die Frauen keine echte Angst verspürten und die Männer nicht wirklich zuschlugen. Hier aber war nichts gestellt, Mai-Li zitterte die ganze Zeit, Leroy spürte die feinen Vibrationen, ihr liefen echte Tränen übers Gesicht. Fast bedauerte er, dass sie so wenig Gegenwehr zeigte. Er stieß noch heftiger zu, am liebsten hätte er Sätze gerufen wie: „Du willst es doch auch, du asiatische Hure! Darauf hast du doch nur gewartet, du geile Schlampe!“ Aber leider hatte er die Pistole im Mund, so musste er sich auf Grunzlaute beschränken.
     Trotzdem, auch so genoss er jede einzelne Bewegung, er genoss die Schmerzen, die er ihr zufügte. Leroy hasste die Asiaten, die Vietnamesen hasste er ganz besonders. Erst vor wenigen Jahren waren sie ins Land gekommen, und schon hatten sie seine Leute überholt. Sie wohnten in den guten Stadtteilen, sie fuhren die großen Autos, sie machten das große Geld. Nur ihre Frauen befriedigen konnten sie nicht, dafür brauchten sie die Hilfe der Schwarzen. Genauso wie die weißen Männer, die waren auch Schlappschwänze. Sie waren schlechte Sportler, schlechte Musiker und schlechte Liebhaber, deshalb unterdrückten sie ihn und seine Leute. Leroy sah zur Seite, sah die weiße Frau an. Sie war älter als die Asiatin, ihr Gesicht hatte Falten, aber unter dem Trainingsanzug schien sich ein knackiger Körper zu verbergen.
     Er nahm die Pistole aus dem Mund. „Jetzt bist du dran.“
     Mona wehrte sich nicht. Sie zog sich aus und breitete ihre Sachen auf dem Fußboden aus. Sie wollte es nur schnell hinter sich bringen, ohne dass er sie schlug oder ernsthaft verletzte. Als Leroy in sie eindrang, dachte sie an ihre Kinder. Hoffentlich würde es vorbei sein, ehe sie von der Schule kamen. Mona roch den Schweiß an Leroys Körper, sie roch das Fett, mit dem die Pistole eingerieben war, sie roch Pulverreste. Und da war noch etwas anderes, es erinnerte sie an altes Bratfett, ein dumpfer, ekliger Geruch. Sie verzog das Gesicht, aber sie sah nicht weg. Und sie weinte nicht. Diesen Triumph wollte sie ihm nicht gönnen. Sie sah ihm die ganze Zeit in die Augen.
     Leroy verstand ihre Gesten falsch. Weil sie sich so schnell ausgezogen hatte, dachte er, sie würde sich darauf freuen, mit ihm Sex zu haben, Sex haben zu dürfen; ihr verzerrtes Gesicht deutete er als Ausdruck ihrer Lust. Seinen Erguss zögerte er so lange wie möglich hinaus. Als es geschah, brüllte er ihr seinen Orgasmus ins Gesicht. Dabei fiel die Pistole aus seinem Mund und blieb genau zwischen ihren Brüsten liegen. Mona erschrak, Leroy lachte. Er wusste, es konnte nichts geschehen, denn die Waffe war entgegen seiner Behauptung nicht geladen. Das Magazin hatte er sicherheitshalber in der Tasche seines Overalls gelassen. Nachdem es vorbei war, machte er einen Scherz darüber, hielt sich die Pistole an die Stirn und drückte ab. Wieder lachte nur er allein.
     Damit war sein Job erledigt. Leroy fühlte sich gut. Er hatte zwei Frauen zu einem Erlebnis verholfen, dass sie niemals vergessen würden; dafür bekam er von ihnen Geld und ein paar Sachen aus dem Haus, somit war allen gedient. Leroy bedankte sich und lief davon.   
     Im Auto rekapitulierte er die Tat. Der weißen Frau schien es echten Spaß gemacht zu haben, sie hatte sich seinen Bewegungen angepasst, hatte ihm dabei sogar in die Augen gesehen. Die Asiatin dagegen war eine Nervtöterin, ihre Schreie gellten noch immer in seinen Ohren, spitze, hohe Schreie. Leroy stellte das Radio an, drehte den Ton weit auf. Mit der einen Hand lenkte er den Wagen, mit der anderen zog er die Geldscheine aus dem Overall. Es war ein hübsches Sümmchen, das sich da auf dem Beifahrersitz anhäufte: sechshundert Dollar. Nicht schlecht, für so ein bisschen Arbeit. Genugtuung erfüllte ihn, steigerte sich zum Triumphgefühl. Er lachte in sich hinein, am liebsten hätte er sich die Hände gerieben – wenn er die Hände nicht fürs Autofahren benötigt hätte und dafür, einen Sender zu finden, der die Schreie übertönte.
     Das böse Erwachen kam ein paar Stunden später. Eine Hausangestellte aus der Nachbarschaft hatte das Kennzeichen von seinem Auto aufgeschrieben. Die Polizei verhaftete ihn an seinem Arbeitsplatz. Die Verhöre waren kurz und brutal, Leroy gestand alles, was man ihm vorwarf. In der anschließenden Gerichtsverhandlung verurteilte man ihn zur Höchststrafe: achtzig Jahre Gefängnis! Die Strafen der einzelnen Taten wurden zusammengerechnet, dazu kamen Strafen aus früheren Taten – ein paar Mal hatte man ihn mit Drogen erwischt –, die zur Bewährung verhängt waren. Das Meiste ging jedoch auf Mai-Lis Ehemann zurück. Er drängte seine Frau, hart und unnachgiebig zu bleiben, jedes Detail der Vergewaltigung zu schildern, obwohl sie sehr darunter litt. Ihre Tränen und die Zusammenbrüche nahm er billigend in Kauf, er wusste, welche Wirkung sie bei den Geschworenen erzielen würden.
     Auf Mona ging nur ein kleiner Teil der achtzig Jahre zurück. Sie hatte ihm vergeben.
      „Mona ist verrückt“, sagte Peter. „Eine solche Schuld darf man nicht vergeben. Niemals.“
     „Sie ist nicht verrückt“, widersprach Helena. „Sie ist…“
     Er fiel ihr ins Wort. „Der Bastard hat mich entehrt. Er hat meine Familie entehrt.“
     „Und was ist mit Mona und Mai-Li?“
     „Die natürlich auch. Gerade deshalb darf die Schuld nicht vergeben werden. Ich kann das überhaupt nicht begreifen. Da waren Kameras und Zuschauer im Gerichtssaal, und Mona spielte die Heilige. Ich will keine Rache, sagte sie. Ich will sein Leben nicht ruinieren. Dabei hat er doch selbst sein Leben ruiniert. Er ist selbst schuld. Aber das wollte die heilige Mona nicht kapieren.“
     „Sie hat es sehr wohl kapiert – und Leroy hat es auch kapiert. Er hat seine Tat bereut, er hat sie um Vergebung gebeten, und sie hat angenommen. Das war sehr, sehr großzügig von deiner Frau.“
     „Von meiner Exfrau“, korrigierte Peter. „Helena, du glaubst gar nicht, wie peinlich mir das war. Was sollen denn meine Freunde und meine Geschäftspartner von mir denken? Dabei war Mona früher immer so vernünftig. Sie hat sich ganz normal verhalten, wie ein moderner, aufgeklärter Mensch. Doch dann passierte etwas mit ihr, sie hat sich mit diesem verrückten Zeug befasst, diesem New Age. Daran glauben jetzt ja viele Leute. Du kannst dir nicht vorstellen, was die für einen Blödsinn machen.“

Fortsetzung folgt.

Unter diesem Link finden Sie die bisher veröffentlichten Teile.



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