Dienstag, 27. August 2013

DIe Philosophie der Unendlichkeit - Teil 1


    Auf dieser Ebene, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, in einer Phase großer sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Herausforderungen, ist eigentlich die große Zeit der Utopisten angebrochen. Die Zeit derjenigen, die neue Wege beschreiten, neue Lösungsansätze aufzeigen, die auch kühn und unvernünftig denken. Doch man findet sie nicht, in keinem Bereich. In der Politik ist seit dem Kommunismus, der spektakulär scheiterte, nichts grundlegend Neues probiert worden. Derzeit gilt die Demokratie als beste Staatsform, doch sie ist kein Allheilmittel. Die Umweltzerstörung ist weitgehend von demokratischen Staaten verursacht worden, die größten Verursacher von Treibhausgasen etwa waren lange die USA und Europa. Für die Ausbeutung der Dritten Welt sind ebenso zum großen Teil Menschen und Institutionen aus Demokratien verantwortlich, auch für die ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen. An den meisten großen Menschheitsverbrechen, Kriege, Völkermorde, Sklaverei, waren sie ebenfalls entweder beteiligt oder sie sind von ihnen allein begangen worden. Dass jemand demokratisch gewählt wurde, ist keine Garantie dafür, dass er oder sie ein weiser Mensch ist.

     Die Demokratie ist ohnehin nur eine Phase des Übergangs. Zwar gilt sie derzeit als beste aller Staatsformen, doch die Menschheit hat sich schon oft geirrt. Die Atomkraft galt einmal als beste Form der Energieerzeugung, das Rauchen galt als ungefährlich und der Raum war absolut – diese und viele weitere Überzeugungen änderten sich im Laufe der Zeit. Es ist eine Illusion zu glauben, in Demokratien würde das Volk herrschen. Tatsächlich regiert eine Kaste von Berufspolitikern, beeinflusst von Lobbyisten aller Art. Ein gutes Beispiel dafür ist die NRA (National Rifle Association), die amerikanische Waffenlobby, die 1871 gegründet wurde und seither eine schärfere Waffengesetzgebung verhindert. Mehrere hunderttausend Menschen haben diese Lobbyarbeit mit ihrem Leben bezahlt. In vielen totalitären Staaten lebt man sicherer. Auch an der Entstehung von Kriegen sind Lobbyisten beteiligt, das Beispiel J.P. Morgan wurde in diesem Buch ausführlich behandelt (S. 77 – 79, QV 160 – 174, siehe auch J.P. Morgan und das Nye-Komitee). Ehrlicherweise müsste man also nicht von Demokratien, sondern von Lobbykratien sprechen.

     Auswahl statt Freiheit

     Auch mit der viel gepriesenen Freiheit ist es nicht weit her. Bei genauer Betrachtung genießt man in den meisten demokratisch regierten Ländern nicht Freiheit, sondern Auswahl. Etwa die Wahl zwischen Coca-Cola und Pepsi. Oder denken wir an die Datensammelwut der Geheimdienste. Selbst die Staatssicherheit der ehemaligen DDR überwachte ihre Bürger nicht so lückenlos wie die amerikanische NSA. Dabei ist die Arbeit der Geheimdienste ohnehin vollkommen sinnlos. Auf einer anderen Ebene des Bewusstseins, zu der wir momentan keinen bewussten Kontakt pflegen, ist alles bekannt. Alle Informationen existieren immer. Es gibt keine Geheimnisse. Man kann auch keine Informationen vernichten, etwa indem man Papiere verbrennt oder Festplatten löscht. Dadurch schafft man nur eine weitere Information, nämlich die, dass man seine Mitmenschen hintergangen hat. Auch diese Information wird für immer existieren.

     Probleme im menschlichen Zusammenleben lassen sich nicht durch technischen Fortschritt lösen. Wir können das beste Überwachungsprogramm aller Zeiten installieren, das jeden Schritt eines jeden Menschen auf dieser Welt kontrolliert – und würden uns trotzdem nicht sicherer fühlen. Denn die Angst steckt nicht in den Maschinen, sondern in denjenigen, die die Knöpfe bedienen. Viele Regierungen halten sich nur deshalb an der Macht, weil sie ihre eigenen Ängste auf ihre Wähler übertragen. Angst vor Terror und Krieg, vor Arbeitslosigkeit und Armut. Echte Freiheit, also die Abwesenheit von Angst, Wut und Leid, genießt kaum jemand. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Demokratie verschwindet. Es kann morgen geschehen oder in 500 Jahren, aber es wird geschehen. Wahrscheinlich wird es auf einen aufgeklärten Anarchismus hinauslaufen. In einer solchen Gesellschaft, in der sich die Menschen ihrer selbst und ihres Handelns voll bewusst sind, gibt es keinen Bedarf für Regierungen und Staatsorgane, für Banken und Waffenindustrie.       

     Religion und Philosophie enttäuschen 

     Ähnliches gilt für die Religion, auch sie wird eines Tages verschwinden. Alle bekannten Religionen basieren auf Angst. Sie gehen davon aus, dass das Leben mit dem biologischen Tod des Körpers nicht beendet ist und sich der Mensch danach in irgendeiner Form für sein Leben rechtfertigen muss – was eindeutig falsch ist. So wie ein Fluss nicht für sein Hochwasser bestraft wird, wird auch der böse Mensch nicht für seine Schuld bestraft. Das sind primitive irdische Vorstellungen. Und dennoch arbeiten die Religionen damit – und das sehr erfolgreich. Sie machen sich die Angst der Menschen zu Nutze, die Angst vor Versagen und Schuld, die in unserer Kultur ständig erneuert wird. Der Mensch muss angeblich ein gottgefälliges Leben führen, damit er Eingang ins Paradies oder Nirwana findet. Und wie man das am besten macht, erklären die heiligen Männer und Frauen, das Bodenpersonal Gottes. Für ihre Mühen erwarten sie natürlich eine kleine Entschädigung, in Form von Geld- oder Sachspenden, von Ruhm oder Anerkennung. Dieses Prinzip wird schon seit Jahrtausenden kritisiert, dennoch funktioniert es bis heute. Doch bald wird sich die Angst auflösen.

     Auch die Philosophie enttäuschte bisher alle Hoffnungen. Sie ist überwiegend mit wirklichkeitsfernen Themen beschäftigt, findet nur innerhalb geschlossener Zirkel statt und erreicht die Menschen nicht. Es gibt keine neuen Ideen, nur Wiederholungen dessen, was schon in der Vergangenheit nicht funktionierte. Die Philosophie basiert ebenfalls auf Angst, jedoch in deutlich geringerem Maß als es bei Religion oder Politik der Fall ist. Philosophen suchen nach dem richtigen, dem idealen Leben, auf individueller und kollektiver Ebene. Auch hier schwingt Angst vor Versagen und Schuld mit, ebenso auf individueller Ebene, etwa dem Misslingen einer Karriere, wie auf kollektiver Ebene, etwa der Entstehung einer Diktatur. Doch diese Ängste sind unnötig. Auf der Ebene des Relativen gibt es das absolut Richtige nicht. Ein Beispiel: Wenn man von München nach Rom reisen möchte, sollte man nicht Richtung Norden fahren. Allerdings kann man auch auf diesem Weg das Ziel erreichen – nur später

     Weil alles in unendlicher Menge vorhanden ist und weil jede negative Erfahrung auch positive Seiten besitzt, kann es weder Versagen noch Schuld geben.

     Die Industrie der Angst ist sich darüber leider nicht bewusst. Sie tut das, was sie schon seit Jahrtausenden tut: Sie führt einen sinnlosen Kampf (gemessen am angestrebten Ziel), der kein Ende findet. In jüngster Zeit sind weitere Kamplätze hinzugekommen, der Weltraum und der Cyberspace. Satelliten überwachen feindliche Staaten, vielleicht greifen sie bald direkt ins Kriegsgeschehen ein. Gigantische Datenmengen werden gesammelt. Cyberkrieger versuchen, in fremde Computernetze einzudringen, andere Cyberkrieger versuchen das verhindern – spirituell sind sie immer noch auf dem Stand von Höhlenmenschen. Der Krieg wird immer weiter technisiert und automatisiert. Mit Waffen bestückte Drohnen kreisen in großer Höhe, bald schon werden sie in der Lage sein, jeden Menschen an jedem Ort der Welt zu töten. Negative Zukunftsvisionen wie der Überwachungsstaat aus George Orwells Roman 1984 oder die Kampfroboter aus James Camerons Filmreihe Terminator könnten Wirklichkeit werden. 

     Anlässe für Kriege wird man auch in Zukunft finden. Das Artensterben schreitet voran, die Meere sind bald leer gefischt, Wüsten breiten sich aus, Vorräte an Trinkwasser und fruchtbarem Ackerboden gehen zurück – bei gleichzeitig stark ansteigender Weltbevölkerung. Somit erhöht sich auch die Menge an Konfliktpotenzial, vielleicht auf eine bisher nie gekannte Größe. Politische und religiöse Extremisten werden versuchen davon zu profitieren. 





Die volle Bedeutung dieses Textes lässt sich nur erfassen, wenn man das gesamte Buch gelesen hat.

Die Fischnetz-Theorie - Vierte Auflage von 2013
192 Seiten - 190 Einträge im Quellenverzeichnis. Fast alle Zitate entstammen der seriösen Sachbuchliteratur.
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