Montag, 12. November 2012

Die Auswerterin auf der Lichtmeile - Interview und Lesung in Mannheim am 17.11.12


Der Radiosender bermuda.funk veranstaltet am 17.11.12 ein Kulturfest im Alten Volksbad in Mannheim. Moderator Frank Domenico Montalbano wird mich dort interviewen, anschließend werde ich aus meinem Roman DIE AUSWERTERIN vorlesen.
Zur Einstimmung hier eine Kritik aus dem Blog Herzbücher.


England, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges. Auf kraftlosen Beinen steht Emily Brown vor dem Büro von Arthur Harris, Oberbefehlshaber der britischen Luftstreitkräfte. Noch kann sie sich anders besinnen, kann das Teetablett in ihren schweißnassen Händen vor Marschall Harris abstellen, den Rückzug antreten und einfach so tun als hätte sie nichts gesehen. Während ihrer Tätigkeit als Auswerterin von Luftaufnahmen entdeckte sie kürzlich auf einer solchen Aufnahme das Konzentrationslager in Auschwitz. Sie sah die Menschen - Männer, Frauen, Kinder - die man aus etlichen Güterwaggons holte und wie Tiere in das Lager trieb. Ihre Vorgesetzten ignorierten ihre Hinweise, aber Emily vermag nicht über das Elend, dessen sie gewahr wurde, hinwegzusehen. Deshalb steht sie nun hier, bereit, Marschall Harris zu überreden, das Lager zu befreien. Ihrer zittrigen Beine zum Trotz betritt Emily den Raum. Zunächst versucht sie, Harris mit den Aufnahmen, die sie ihm vorlegt, zu überzeugen. Doch er wiegelt ab, also zückt sie eine Pistole. Um sein Leben zu retten, erteilt Harris die Order, Auschwitz aus der Luft anzugreifen. Damit er seinen Befehl nicht revidieren kann, will Emily den Marschall mit vorgehaltener Waffe so lange in Schach halten, bis der Bericht über die erfolgte Bombardierung eingeht. Während der Wartezeit liefern sich beide eine hitzige verbale Auseinandersetzung.

In Die Auswerterin befördert Elk von Lyck einige interessante politische Ereignisse ans Tageslicht, die man kaum in einem Geschichtsbuch findet. Brisante Dinge, die von den Verantwortlichen wohl aus gutem Grund nicht an die große Glocke gehängt wurden. Vornehmlich geht er der Frage nach, was genau die Alliierten über Auschwitz wussten. Außerdem sucht er nach Gründen für die ziemlich spät erfolgte Befreiung des Lagers. Schuldzuweisungen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, ist ebenso ein Thema wie die Suche nach den Auslösern, die den Weg der Nazis an die Macht ebneten. Hierzu begibt er sich weit in die Vergangenheit, bis zum Ende des 1. Weltkrieges. Der Autor zeigt die Verfehlungen der Alliierten auf und beschönigt währenddessen nicht die Taten der Nazis.

Der höchst niveauvolle Wortwechsel zwischen der fiktiven Person Emily Brown und dem Chef der britischen Luftwaffe, Arthur Harris, der tatsächlich gelebt hat, nimmt den größten Platz in der Geschichte ein. Während Harris stur seinen Standpunkt vertritt, indem er alle politischen Entscheidungen der Alliierten als gut und richtig hinstellt, hält Emiliy, gewappnet mit fundiertem Hintergrundwissen, dagegen. Worte fliegen hin und her, Argumente treffen auf Gegenargumente. Beide schenken sich nichts und bieten damit dem Leser ein gelungenes Rededuell.

Regelmäßige Schwenks zu diversen Schauplätzen vermitteln zunächst den Eindruck, als handele es sich um zusätzliche Handlungsstränge, die parallel zueinander laufen. Dass dem keineswegs so ist stellt sich erst ab etwa der Buchmitte heraus, verwirrte mich aber nicht im Geringsten. Elk von Lyck beherrscht das „Spiel mit der Chronologie“ perfekt.

Mit der aufwühlenden Geschichte des kleinen Jacques und dessen Familie veranschaulicht der Autor die damalige Situation der Juden. Ein weiterer Handlungsstrang beschäftigt sich mit Walker, einem britischen Piloten. Hierbei beweist der Autor eine genaue Kenntnis technischer Details von verschiedenen Flugzeugtypen. Indem er derlei in die Handlung einfließen lässt, vermittelt er auf unterhaltsame Art, so ganz nebenbei, technisches Wissen.

Emily fungiert sozusagen als Stimme des Gewissens. Darüber hinaus zeigt Elk von Lyck am Beispiel seiner Hauptprotagonistin auf, dass auch ein „unbedeutender“ Mensch das Potenzial besitzt eine große Wirkung zu erzielen. Der Autor will erreichen - und das ist der tiefere Sinn, den ich dem Buch entnehmen konnte, und Lycks Botschaft an seine Leser - dass jeder einzelne sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, Entscheidungen hinterfragt und nicht zusieht, sondern handelt.

Fazit
Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz ließ mich nachdenklich und aufgewühlt zurück, und genau das war meiner Meinung nach Elk von Lycks Absicht. Der Autor hat seinem Buch einen tieferen Sinn verliehen, und ich wünsche ihm, dass seine Botschaft möglichst viele Leser erreicht. Bei mir ist sie angekommen.



Weitere Informationen zum Stadtteilfest finden Sie unter: www.lichtmeile.de 
Mehr zum Lokalradio unter: www.bermudafunk.org

Zeit: Samstag, 17. November 2012, ab 18 Uhr
Ort: Altes Volksbad, Mittelstraße 42, Mannheim  
Eintritt frei!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen