Dienstag, 7. August 2012

Syrien - der Stellvertreterkrieg


In Syrien kämpfen Rebellen gegen den Tyrannen Baschar al-Assad. Eine klare Situation – so scheint es. Doch es sind noch weitere Kräfte beteiligt, die eine unheilvolle Wirkung entfalten. Das Assad-Regime wird im UN-Sicherheitsrat von Diplomaten aus Russland und China geschützt, die jede wirksame Resolution verhindern. Russland liefert außerdem Waffen und Munition an die syrische Armee.

Die USA haben sich auf die Seite der Aufständischen geschlagen und unterstützen sie - offiziell - mit  25 Millionen Dollar für Kommunikationstechnik und 64 Millionen Dollar humanitäre Hilfe. Laut dem Nachrichtensender CNN ist der amerikanische Geheimdienst CIA bereits seit längerem vor Ort und koordiniert die Maßnahmen. Genauere Informationen sind nicht erhältlich.
Saudi-Arabien und Katar verzichten auf Geheimniskrämerei und liefern ganz offen Waffen und Munition über die türkische Stadt Adana. Der Grund ist einfach: Beide Länder werden von Sunniten regiert, die syrische Herrscherfamilie jedoch gehört der Glaubensrichtung der Schiitten an. Genauso wie die iranische Regierung, die ihren Glaubensbruder Assad unterstützt. 

Diese Situation erinnert fatal an den Kalten Krieg. Von 1945 bis in die 1990er Jahre trugen die Westmächte und der Warschauer Pakt zahlreiche Stellvertreterkriege aus, in Afrika, Asien und Südamerika. Der bekannteste und blutigste dieser Kriege war der Vietnamkrieg, der sechs Millionen Menschenleben forderte.

Wir erleben jetzt einen neuen Kalten Krieg, auf politischer und religiöser Ebene. In der Weltpolitik ringen drei Mächte miteinander: die ehemalige Supermacht Russland, die aktuelle Supermacht USA und die aufstrebende Macht China. Jeder versucht  seine Position zu verbessern, keiner gönnt dem anderen einen Erfolg.
Auf religiöser Ebene ringen Sunniten und Schiiten um die richtige Auslegung des Koran. Auch hier versucht jeder seine Position zu verbessern, keiner gönnt dem anderen einen Erfolg.
Bezeichnend ist, dass die Konflikte nicht offen angesprochen werden und dass man nicht versucht, sie dort zu lösen, wo sie entstanden sind, nämlich in den politischen und religiösen Machtzentren. Stattdessen verlagert man sie auf andere Schauplätze, so wie es Kinder tun, die mit Plastikfiguren in einer Sandkiste spielen. 

Das Schlimme dabei ist: Wenn dieser Krieg beendet ist, wird an anderer Stelle ein neuer ausbrechen. Vielleicht lodern die Flammen demnächst in Ägypten, Libyen oder im Sudan, vielleicht kämpft man um Öl, um Wasser oder um heilige Stätten. 

Wann werden wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen? 

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