Freitag, 20. Juli 2012

Evolution - Darwinismus oder Kreationismus? Eine neue Sichtweise.


Seit einigen Jahren tobt ein Streit zwischen Darwinisten und Kreationisten. Darwinisten sind überzeugt, dass das Leben aus der Materie entstanden ist und sich durch natürliche Auslese an wechselnde Lebensräume anpasst. Kreationisten glauben ebenfalls an eine Form der Evolution, nur dass diese von einem Gott initiiert, beeinflusst oder gesteuert wird. Beide Gruppen haben Recht – auf ihre Weise.

Um zu einem tiefen Verständnis der Evolution zu gelangen, müssen wir einen Kardinalfehler beheben, der in unserer eingeschränkten Sichtweise begründet liegt. Bislang haben wir uns die Evolution als eine ansteigende Linie vorgestellt: Eine Art entsteht aus einem Ursprung heraus und entwickelt sich höher bzw. passt sich an seine Umgebung an. Diese Vorstellung ist falsch, denn sie ist unvollständig. Sie basiert auf der Idee der Bewegung von A nach B, von gestern zum Morgen, von hier nach da. Das ist „relativ richtig“, aber unsere Wirklichkeit ist sehr viel größer.

Die Welt ist ein Netzwerk. Es existiert in seiner vollen Ausdehnung, es wird niemals kleiner oder größer, aber es erfährt sich selbst immer wieder neu. Im gesamten Universum gibt es nur zwei Strukturen, Kreisläufe und Netzwerke, man findet sie im Mikrokosmos ebenso wie im Makrokosmos. Nach dem Orbitalmodell besteht das Atom aus einem Kern, der von Orbitalen umgeben ist, in denen sich wiederum die Elektronen aufhalten. Atome schließen sich zu netzwerkartigen Molekülen zusammen. Nach einer gewissen Zeit zerfallen die Moleküle und die frei gewordenen Atome schließen sich zu neuen Molekülen zusammen. Im Universum beobachten wir Planeten, die Sonnen umkreisen, Sonnensysteme schließen sich zu Galaxien zusammen. Dieser ewige Wandlungsprozess erreicht jedoch niemals ein Ziel oder einen höheren Zustand.

Ähnliche Strukturen finden wir auch in der Natur. Es ist jedoch nicht ratsam, den Blick auf eine einzelne Art zu beschränken. Besser ist es, einen ganzen Lebensraum zu betrachten. Als Beispiel sei die Sahara genannt, ein Ökosystem, das wir heute als Wüste kennen. Eine Wüste ist ein relativ einfacher Lebensraum, in dem nur wenige Arten vorkommen. Die Sahara war jedoch nicht immer eine Wüste, zeitweise existierte sie auch als Savanne. Diese Landschaftsform besteht aus Grasflächen und Bäumen, es leben dort Pflanzen- und Fleischfresser in größerer Anzahl. Während der letzten 200.000 Jahre war die Sahara insgesamt drei Mal eine Savanne, danach wurde sie wieder zur Wüste. Demzufolge besitzen auch Lebensräume den Charakter eines Kreislaufes, aber sie erreichen niemals ein Ziel oder einen höheren Zustand. Das einzige Ziel besteht darin, sich selbst zu erfahren.

Dieses Prinzip wiederholt sich auch in Bereichen, in denen man es nicht unbedingt erwartet, etwa in der Kunst. Über Jahrhunderte hinweg bemühten sich Künstler, die Natur möglichst realistisch darzustellen. Die Maltechniken wurden immer komplexer, die Anzahl der Farbnuancen nahm zu. Um 1900 herum entstand die "moderne Kunst" (heute Klassische Moderne) und mit ihr die Unterart der abstrakten Kunst, die versuchte, Welten jenseits des Sichtbaren zu erschließen. Hierbei kam es oft zu einer Vereinfachung der Maltechniken und zur Reduzierung der Farbnuancen. Die Resultate erinnerten manchmal an Höhlenmalereien oder an Bilder, die von Kindern gemalt wurden.

Alles hat seine Bedeutung. Die gegenständliche Malerei ist nicht besser als die abstrakte (und umgekehrt), mehr noch, erst dadurch, dass beides ausprobiert wird, kommt es zu einem Gleichgewicht im Erfahrungsprozess.

Die Evolution ist also kein Entstehungsprozess, sondern ein Erfahrungsprozess. Die Bausteine sind immer dieselben, Atome und Moleküle, Farben und Formen. Alte Bausteine wurden nicht abgeschafft, neue sind nicht hinzugekommen. Das Netz wird niemals kleiner oder größer, die Masse im Universum ist stets gleich. Das Netz ist immer in einem perfekten Gleichgewicht. Deshalb besitzt das Netz auch keinen höheren oder niederen, keinen besseren oder schlechteren Teil, alle Erfahrungen sind gleich wertvoll.

Aus diesem Grund geht auch der Streit zwischen Darwinisten und Kreationisten unentschieden aus. Mit ihren Überzeugungen markieren beide Gruppen Erfahrungshorizonte, dazwischen ist jede Abstufung möglich. Beide Gruppen tragen zum Erfahrungsprozess bei. Der Mensch nimmt in diesem Prozess eine Sonderrolle ein, er ist weit mehr als eine Mutation innerhalb der Affenfamilie. Mehr dazu in einem späteren Text.

Wir sollten uns die Evolution als eine Blume vorstellen, die in alle Richtungen gleichzeitig wächst. Dabei entwickelt sie nur großartige und wertvolle Triebe. Die Knospe ist genauso wichtig wie die voll entwickelte Blüte, und die ist genauso bedeutsam wie der Trieb, der mit Dornen bewehrt ist. Alles bereichert den Erfahrungsprozess – jede Tat, jeder Gedanke und jede Empfindung ist unendlich wertvoll.
   

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