Sonntag, 10. Juni 2012

Obama der Kriegspräsident


Am 06.06.12 verkündeten die Nachrichtenagenturen, dass Abu al-Libi, ein führendes Mitglied des Terrornetzwerks al-Quida, durch einen Drohnenangriff getötet wurde. Diese Meldung ist im Grunde nicht überraschend, die USA führen wieder einmal Krieg gegen die Menschen, die sie für ihre Feinde halten. Ungewöhnlich ist nur der Auftraggeber der gezielten Tötung: Barack Obama. Es handelt sich hierbei nicht um eine Verwechslung, es ist tatsächlich jener Barack Obama  gemeint, der 2009 den Friedensnobelpreis erhielt.

Die USA ändern derzeit ihre Militärstrategie, weg vom konventionellen Landkrieg, hin zum Krieg mit Drohnen und zum Cyberwar. Auch der Computerwurm Stuxnet, der zeitweise das iranische Atomprojekt lahmlegte, wurde vermutlich im Auftrag einer US-Behörde entwickelt. Diese neue Strategie bietet zwei scheinbare Vorteile:
  1. Sie ist vergleichsweise billig. Allein die Kriege im Irak und in Afghanistan haben bisher 128 Milliarden Dollar gekostet.
  2. Das Risiko ist relativ gering. Bei Einsätzen von Drohnen oder Schadsoftware riskiert kein Angreifer sein Leben.
Verständlich, dass Obama der Verlockung erlegen ist.

Wird diese neue Strategie zum Frieden führen? Sicher nicht, denn sie birgt auch erhebliche Risiken.
  1. Es ist sehr schwer einen Feind aus Tausenden Kilometern Entfernung zu erkennen. Laut dem Bureau of Investigative Journalism (TBIJ) sind seit 2004 zwischen 385 und 775 unbeteiligte Personen durch US-Drohnenangriffe ums Leben gekommen (Quelle: Wikipedia). 
  2. Auch die  Wirkung von Computerviren lässt sich nur schwer begrenzen, Kollateralschäden sind jederzeit möglich.
Die eigentlichen Ursachen des Krieges – Angst und Wut – werden dadurch nicht aufgelöst. Im Gegenteil, die Angst vor der amerikanischen Kriegsmaschinerie und die Wut über das rücksichtslose Vorgehen dürften eher noch ansteigen. Drohnen sind in der Lage, jeden Menschen auf der Welt zu töten. Eine militärische Gegenwehr ist schwierig, da diese Mordmaschinen in großer Höhe fliegen und vom Boden kaum zu entdecken sind. Eine juristische Gegenwehr ist unmöglich, das potentielle Opfer erhält keinen gerechten Prozess, es bekommt keinen Verteidiger zur Seite gestellt und lernt auch seinen Ankläger niemals kennen. Allein der amerikanische Präsident entscheidet über Leben und Tod.   

Bislang wurde noch kein Friedensnobelpreis seinem Träger wieder abgenommen - in diesem Fall sollte man darüber nachdenken.

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