Dienstag, 7. Februar 2012

Italien - Land der unschuldigen Opfer?



Der Internationale Gerichtshof hat entschieden, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht für Verbrechen haftbar gemacht werden kann, die sich während der deutschen Besetzung Italiens zwischen September 1943 und Mai 1945 ereignet haben. Zugrunde liegt ein Urteil des italienischen Kassationsgerichtshofes, wonach Deutschland den Hinterbliebenen eines Massakers der Wehrmacht in Civitella im Juni 1944 mit mehr als 200 Ermordeten Entschädigung leisten müsse.

Dieses Urteil sagt sehr viel über das Geschichtsverständnis der Italiener aus. Nicht nur die Justiz reduziert den Zweiten Weltkrieg auf die deutschen Verbrechen, das gesamte italienische Volk scheint so zu denken, wie man u.a. an dem Erfolg von Roberto Benignis Film Das Leben ist schön ablesen kann. Das Prinzip ist immer dasselbe: Man lebt friedlich vor sich hin, dann fallen die Deutschen ein und errichten ihre Schreckensherrschaft, zum Schluss werden die Deutschen von den Alliierten besiegt. Eine ehrliche und umfassende Vorgeschichte gibt es nicht. Man schweigt über vieles, z.B. darüber, dass der Faschismus in Italien entstanden ist und sich von dort aus über die halbe Welt verbreitet hat. Damit soll selbstverständlich nicht gesagt werden, die Italiener seien am Zweiten Weltkrieg und all den Verbrechen schuld, die sich in seinem Verlauf ereignet haben. Das wäre eine unzulässige Verkürzung der Geschichte, gerade diese Art des Schwarzweißdenkens bringt uns immer wieder in neue Schwierigkeiten. Stattdessen sollten wir uns darüber bewusst werden, dass die Geschichte - und somit das Leben insgesamt - ein Prozess ist, der von vielen Faktoren beeinflusst wird.

Die Vorgeschichte des Faschismus ist dazu ein lehrreiches Beispiel. Eine seiner Grundlagen wurde bereits im Jahr 1915 gelegt. Die Alliierten versprachen den Italienern im Londoner Geheimvertrag für ihren Eintritt in den Ersten Weltkrieg umfangreiche Gebietsgewinne - zu Lasten der späteren Verlierer. Um die Kriegsbegeisterung des Volkes anzuheizen, förderten Frankreich und Britannien den Extremisten Mussolini und dessen Zeitung mit erheblichen finanziellen Mitteln. Nach dem Krieg jedoch verweigerten sie Italien die meisten der vertraglich zugesagten Gebiete, Mussolini, ihren ehemaligen Verbündeten, ließen sie fallen. Inzwischen war das Land durch die Kriegsanstrengungen wirtschaftlich ruiniert, Millionen Italiener lebten im Elend. Was tut man in solch einer Situation? Man wendet sich einem Extremisten zu, der schnelle und radikale Lösungen verspricht. Und dafür bot sich vor allem einer an: Mussolini.

Leider haben wir diesen Fehler danach viele Male wiederholt. Saddam Hussein, Osama bin Laden, Gaddafi, Mubarak und viele andere Extremisten wurden - zumindest zeitweise - von den westlichen Nationen unterstützt. Die Folgen dieser Politik waren und sind verheerend. Wenn wir wirklich aus der Geschichte lernen wollen, müssen wir sie vollständig betrachten - ohne Scheuklappen und Vorurteile. Wir sollten sie nicht als Projektionsfläche für unsere Angst und unsere Wut missbrauchen und auch nicht dafür, um schnelles Geld zu machen.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang bitte auch meine Posts zu den Themen amerikanische Rüstung und deutsche Waffenlieferungen.
   

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