Donnerstag, 23. Februar 2012

Israel und Iran - eine Rauferei unter Schuljungen

(Grafik: Wikipedia)

Wieder einmal erleben wir die Eskalation eines Konflikts. Diesmal ist es der Streit um das iranische Atomprogramm, das vermutlich auf den Bau einer Atombombe hinausläuft. Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde wollten kürzlich (22.02.12) eine wichtige Forschungsanlage besuchen, die Regierung in Teheran verweigerte ihre Zustimmung. Zuvor (13.02.) ereignete sich eine Serie von Anschlägen auf israelische Diplomaten in Neu-Dehli und Tiflis. Davor wiederum (11.01.) wurde ein iranischer Nuklearforscher bei einem Anschlag getötet.

Wir haben es hier also mit einer typischen Kettenreaktion zu tun: ein Ereignis führt zum nächsten, zum nächsten, zum nächsten... Als Auslöser dieser Reaktion wird in Medien und Politik mehrheitlich der Iran genannt, angeblich bedroht das Mullah-Regime die Sicherheit der gesamten Region. Doch ist das die ganze Wahrheit? Natürlich nicht. Wieder einmal werden wesentliche Fakten unterschlagen:

1. Der Konflikt ist auch ein religiöser Konflikt zwischen Juden, Christen und Muslimen. Die Juden und Christen, die in dieser Region ihre Interessen verteidigen, besitzen bereits Atombomben, die Muslime hingegen noch nicht. Erwarten unsere Politiker ernsthaft, dass sich die Muslime mit dieser Situation zufriedengeben?
2. Feindbild Iran. Seit 2005 regiert Mahmud Ahmadinedschad den Iran, ein extremistischer Politiker, der den Holocaust leugnet und Israel mit der Vernichtung droht. Zuvor allerdings hatte ein westlicher Politiker dem Iran mit der Vernichtung gedroht. 2002 hielt der amerikanische Präsident George Bush eine Rede, in der er Nordkorea, Iran und Irak als "Achse des Bösen" bezeichnete. Der Irak, Nachbarland des Iran, wurde 2003 von einer "Koalition der Willigen" angegriffen und in einen langen und blutigen Krieg verwickelt, der bis heute anhält.
3. Iranische Revolution. Das Mullah-Regime ist seit 1979 an der Macht. Zuvor wurde das Land von Schah Reza Pahlavi diktatorisch regiert. An die Macht gebracht und unterstützt wurde der Schah von denselben Nationen, die sich später als "Koalition der Willigen" bezeichneten.

Also auch hier haben wir es mit einer Kettenreaktion zu tun, ein Ereignis führt zum nächsten. Und es gibt immer ein "vorheriges" Ereignis, es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wer die Reaktion ausgelöst hat. Deshalb ist diese Frage auch nicht von Bedeutung. Viel wichtiger ist es, die Reaktion zu beenden. Das wiederum kann nur geschehen, indem man dem Prozess die reaktiven Stoffe entzieht.

Das heißt unter anderem:
1. Keine Diktatoren unterstützen.
2. Keine Waffen in Krisengebiete liefern.
3. Niemanden mit Atomwaffen bedrohen. 

Stattdessen:
1. Demokratische Kräfte unterstützen.
2. Hilfsgüter in Krisengebiete liefern.
3. Atomwaffen abrüsten - so wie es im Atomwaffensperrvertrag festgeschrieben ist.
       
All das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Trotzdem erleben wir es immer wieder, dass sich erwachsene Menschen wie Kinder benehmen. Sie prügeln sich auf dem Schulhof, und wenn der Lehrer kommt, um den Streit zu beenden, zeigen sie auf den jeweils anderen und sagen: "Der hat angefangen." Und was tun die anderen Schuljungen? Anstatt zu schlichten, heizen sie den Streit noch an, unterstützen mal den einen und mal den anderen. Fast schon könnte man sich amüsieren über diese lächerliche kleine Geschichte - doch diese Schuljungen besitzen die schlimmsten Waffen, die die Menschheit erfunden hat.   
 

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