Sonntag, 15. Januar 2012

Iranisches Atomprogramm - ist alles erlaubt?



Am 11.01.12 ist der iranische Nuklearforscher Mostafa Roschan in Teheran bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Nach Berichten von Augenzeugen deponierten zwei Motorradfahrer zuvor einen Sprengsatz unter dem Auto des Universitätsprofessors. Die iranische Regierung macht den israelischen Geheimdienst für das Attentat verantwortlich. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht, vielleicht wird niemals herauskommen, wer die Morde (laut Nachrichtenagentur Reuters wurde noch eine zweite Person getötet) in Auftrag gegeben hat. Da jedoch bereits mehrere Wissenschaftler eines gewaltsamen Todes starben, gelten ausländische Geheimdienste als wahrscheinlichste Verursacher.

Wenn man die internationalen Kommentare verfolgt, findet man viel Zustimmung für dieses Vorgehen. Der Iran wird allgemein als "Schurkenstaat" betrachtet, der mit seinem Atomprogramm die gesamte Region, insbesondere Israel bedroht. Richtig ist, dass das Land am Golf undemokratisch regiert wird und - wahrscheinlich - neben seinem zivilen Kernforschungsprojekt auch eine eigene Atombombe entwickelt. Doch ist das wirklich die ganze Wahrheit?

Keineswegs. Wenn man etwas genauer hinschaut, entdeckt man weitere Ursachen für die Eskalation der Lage. Es gibt bereits mehrere Mächte, die in der Region aktiv sind und Atomwaffen besitzen, allen voran Israel. Laut Schätzungen besitzt der jüdische Staat zwischen 100 und 400 Sprengköpfe. Die USA haben vermutlich 9400 Sprengköpfe in ihren etwas weiter entfernten Arsenalen, die ehemaligen "Schutzmächte" Britannien und Frankreich 185 bzw. 300 Stück. In Tel Aviv kann man sicher gut schlafen, wenn man weiß, dass im Falle eines großen Krieges die eigenen Truppen oder die Verbündeten die Stadt Teheran einfach so von der Landkarte radieren könnten. Aber was ist, wenn man in Teheran lebt?

Auch müssen sich Israelis, Amerikaner, Briten und Franzosen die Frage gefallen lassen, ob sie damit einverstanden wären, wenn ein ausländischer Geheimdienst nach eigenem Gutdünken "böse" Menschen auf ihrem Territorium töten würde? Diese Menschen bekommen keinen gerechten Prozess, sie erfahren nichts von der Anklage, die gegen sie erhoben wird, dürfen sich nicht rechtfertigen, keine Beweise für ihre Unschuld vorlegen und keine Zeugen benennen.

Die westlichen Nationen gönnen sich selbst Demokratie, Menschenrechte und Sicherheit - ihren Feinden verweigern sie dies jedoch. Dadurch entsteht eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: "Schurkenstaaten" werden bedroht und bekämpft, Angst und Wut breiten sich aus, politische und religiöse Extremisten profitieren davon, Gemäßigte und Oppositionelle leiden darunter.

Es ist an der Zeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Frieden! Für alle! Jetzt!     



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen