Donnerstag, 12. Januar 2012

Filmkritik - Der ganz große Traum - auf DVD




Dieses Jahr findet in Polen und der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft statt (Nebenbei bemerkt: Wir holen den Titel !!!). Zur Einstimmung empfehle ich diesen Film. Er verdient zwar ein paar gelbe Karten, ist aber insgesamt recht gelungen.

Inhalt:

Deutschland 1874. Der junge Lehrer Konrad Koch (Daniel Brühl) wird an ein Braunschweiger Gymnasium versetzt, wo er Englisch unterrichten soll. Um die Schüler für die fremde Sprache zu begeistern, setzt er ein ungewöhnliches Hilfsmittel ein: den Fußball. Diese noch weitgehend unbekannte Sportart hat er selbst bei einem Aufenthalt auf der Insel kennengelernt. Während er seinen Schülern die Grundlagen des Spiels beibringt, konfrontiert er sie nebenbei mit den Regeln des „Fairplays“.
Der sonstige Lehrkörper ist hoch konservativ. Doktor Jessen will die Schüler im Geiste des Turnvaters Jahn drillen, für Doktor Bosch besteht die Geschichte aus einer Abfolge ruhmreicher Schlachten fürs Vaterland, wobei er schon die nächste vorbereitet, der Pfarrer gibt dazu seinen Segen, und der Vorsitzende des Fördervereins kennt auch nur Zucht und Ordnung. All diese Herren sehen in dem neuen Spiel - das sie abfällig als Fußlümmelei bezeichnen - einen Angriff auf Sitte und Moral, den sie zurückzuschlagen gedenken.
Den Versuch, Koch aus seinem Amt zu entfernen, parieren jedoch dessen Schüler...       

Bewertung:

Schon diese kurze Inhaltsbeschreibung macht deutlich, dass der Film eine Reihe von Klischees abarbeitet. Die Deutschen sind fast alle einfältig und böse, die Rettung kommt wieder einmal aus dem Ausland, in diesem Fall aus England. Zum Gähnen.
Dass die Briten damals keinesfalls die Regeln des Fairplays einhielten, zeigt ein rascher Blick in die Kolonien. Beispielsweise wurde Ende des 19. Jahrhunderts die Urbevölkerung von Tasmanien vollständig ausgerottet. Doch darüber schweigen die Briten bis heute - und darüber schweigt auch der Film.
Abgesehen davon ist er jedoch kurzweilig und unterhaltsam. Daniel Brühl spielt sehr sympathisch, und auch die gesamte Kinderschar zeigt sehr gute Leistungen. Das ist überhaupt ein interessanter Aspekt des jüngeren deutschen Films, der Beachtung verdient. Auch in Filmen wie Poll oder Dschungelkind treten viele hervorragende Jungdarsteller auf, die die Erwachsenen teilweise an die Wand spielen. Wenn nur die Geschichten nicht so eindimensional wären...
Hoffen wir, dass sich die junge Generation davon nicht blenden lässt und selbst einmal bessere Filme inszeniert.


Infos zur DVD:

Recht ordentlich. 30-minütiges Making Of, Audiokommentare, entfallene Szenen, Outtakes und Bildergalerie. 




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