Mittwoch, 21. Dezember 2011

Von der Rückzahlung der Schulden


Das Jahr geht zu Ende. Zeit für eine Bilanz. 2011 war vor allem von einem Thema geprägt: dem Schuldenmachen. Wir haben nicht nur finanzielle Schulden angehäuft, sondern auch ökologische und soziale. Das ist bekannt - doch geschehen ist insgesamt zu wenig.

Anfang Dezember wurde auf dem EU-Gipfel in Brüssel die Gründung einer europäischen Fiskalunion beschlossen, verbunden mit einer Schuldenbremse und automatischen Sanktionen gegen Defizitsünder. Das klingt vernünftig. Kurz danach vergab die Europäische Zentralbank jedoch einen Kredit in Höhe von fast 500 Milliarden Euro an Banken des Euro-Raums, in der Hoffnung, dass damit auch Staatsanleihen der Krisenländer gekauft werden. Spanien profitierte bereits davon, das Land konnte mehr als doppelt so viel Geld am Markt leihen als ursprünglich geplant. Gleichzeitig kauft die EZB ebenfalls derartige Anleihen - und zwar in sehr großem Umfang, derzeit mindestens 200 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Schuldenmacherei geht weiter, nur werden die Schulden nun anders verteilt.

Ebenfalls Anfang Dezember fand die UN-Klimakonferenz in Durban statt. Sie gilt - unter den Teilnehmern - als großer Fortschritt, weil sich alle Staaten "zu einem rechtsverbindlichen, internationalen Abkommen zum Klimaschutz bekannt haben", wie EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard sagte. Wer genau hinschaut sieht jedoch, dass ein rechtsverbindlicher Vertrag erst auf der nächsten Konferenz im Jahr 2015 abgeschlossen wird - oder auch nicht. Kanada ist bereits aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen, die USA haben es gar nicht erst ratifiziert.
Und die CO2-Emissionen? Sie sind gestiegen und steigen weiterhin an. Damit nehmen wir gewissermaßen Klimaschulden auf. Heute produzieren wir gewaltige Mengen Treibhausgase, die auf Jahrzehnte hinaus in der Atmosphäre verbleiben werden.

Und genau das ist das Problem. Wir machen Schulden - und die Generationen, die nach uns kommen, haften dafür. So wandeln sich die Finanz- und Klimaschulden in soziale Schulden.

Gibt es einen Ausweg? Natürlich. Auch hier lautet das Zauberwort Bewusstheit. Alles, was der Mensch tut, hat Auswirkungen auf seine Umwelt. Jeder Euro wirkt sich auf die Finanzen aus, jedes Gramm CO2 beeinflusst die Atmosphäre. Jede Tat wirkt sich aus, jedes Wort, jeder Gedanke, sogar jedes Gefühl, das wir zulassen, entfaltet seine Wirkung - manchmal sofort, manchmal später. Aber auch das Unterlassene wirkt sich aus, jede nicht begangene Tat, jedes nicht gesagte Wort, jeder nicht gedachte Gedanke und jedes verdrängte Gefühl.

Doch es gibt immer wieder Zeichen der Hoffnung. Am 20.12.11 ist ein weiteres hinzugekommen, das im ersten Moment kurios erscheinen mag: die neuen Energieeffizienzklassen der EU. Bislang gab es die Klassen A bis G, nun kommen A+, A++ und A+++ hinzu. In der Praxis zeigt diese Klassifizierung bereits Wirkung. Elektrogeräte mit einer schlechten Einstufung sind bei uns praktisch unverkäuflich. So funktioniert Bewusstheit.

Wenn wir dieses Prinzip durchhalten, es auf alle Lebensbereiche ausdehnen, können wir unsere Schulden rasch zurückzahlen. 
 

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