Donnerstag, 1. Dezember 2011

Es gibt keine Nazis!


Anders Breivik ist unzurechnungsfähig. Zu diesem Ergebnis kamen zwei Gutachter, die den Massenmörder von Utoya intensiv untersuchten. Deshalb muss der Norweger wahrscheinlich nicht ins Gefängnis, sondern wird die nächsten Jahre, vielleicht auch den Rest seines Lebens in einer psychiatrischen Klinik verbringen.
Das kann keine Überraschung sein, wer den Fall Breivik aufmerksam verfolgt hat, wusste schon sehr früh, dass er kein Neonazi ist. Er selbst gab einen wichtigen Hinweis darauf, indem er Winston Churchill und den Widerstandskämpfer Max Manus als seine Vorbilder nannte. Ich habe bereits in meinem Post vom 26.07.11 eine Geisteskrankheit bei ihm vermutet.

Sicher werden viele Menschen davon enttäuscht sein. Sie werden eine hohe Strafe fordern und zur Begründung auf sein rassistisches Pamphlet verweisen, auf seine Verbindungen zur rechten Szene usw. Aber all das ist keine Erklärung für seine Taten. Breivik ist kein Nazi. Er hat die rechte Ideologie nur benutzt, um seinen Wahn auszuleben. Dieser Wahn wiederum hat tiefere Ursachen, die Gutachter sprachen von einem möglichen Missbrauch in seiner Kindheit, der von weiteren Faktoren verstärkt wurde.

Auch die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle sind im Grunde keine Nazis. Ihre Opfer dienten als Projektionsfläche für ihren Hass, der wiederum auf Angst beruht. Hass ist übersteigerte Angst. Die Zwickauer hätten sich genauso gut auch der linken Szene anschließen und böse Nazis bekämpfen können, oder als Muslime in den heiligen Krieg ziehen können usw.
Und auch die Menschen, die hohe Strafen für Breivik und die rechten Terroristen fordern, handeln aus derselben Motivation heraus, aus Angst, in diesem Fall vor der rechten Bedrohung, die zu Empörung wird und manchmal in blanken Hass umschlägt.

Manch ein Leser wird nun wahrscheinlich sagen, der Blogger mache es sich zu einfach, indem er auf Angst als grundlegendes Motiv schließt. Das ist richtig und falsch zugleich. Richtig ist es in dem Sinne, dass das Leben auf wenigen Grundprinzipien aufbaut. Eines davon lautet: Gefühle sind die Basis des Menschseins.
Es ist falsch in dem Sinne, dass dadurch irgendetwas leichter wird. Im Gegenteil. Eine Bestrafung der Täter zu fordern, ist einfach. Zu verhindern, dass Menschen zu Tätern werden, ist schwierig. Das setzt nämlich voraus, dass wir unsere Gesellschaft umbauen, dass wir auf Menschen wie Breivik und die Zwickauer Terroristen achten, dass wir uns um sie kümmern, dass wir ihnen helfen, ihren Hass aufzulösen, ihnen Mut machen, ihnen Liebe geben statt Hass und Verachtung.
Süße kleine Kinder oder Hundebabys zu lieben, ist keine Kunst. Die Herausforderung besteht darin, einem grölenden Glatzkopf zu helfen. Das ist richtig harte Arbeit.    

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