Sonntag, 27. November 2011

Filmkritik - Unknown Identity - auf DVD


Inhalt:

Dr. Martin Harris (Liam Neeson) reist zu einem wissenschaftlichen Kongress nach Berlin. Kurz nach seiner Ankunft erleidet er einen Unfall. Das Taxi, mit dem er zum Flughafen zurückfahren wollte, um einen vergessenen Koffer zu holen, stürzt in die Spree. Vier Tage später erwacht er aus dem Koma - allerdings nicht in seiner normalen Welt, er scheint einen Alptraum zu erleben. Niemand erkennt ihn, nicht einmal seine Ehefrau, stattdessen behauptet ein anderer Mann, er sei Dr. Martin Harris.
Der echte Harris ist verzweifelt, aber nicht mutlos. Er findet zwei Verbündete: die Taxifahrerin (Diane Kruger), die ihm das Leben gerettet hat, und den Privatdetektiv Ernst Jürgen (Bruno Ganz), einen ehemaligen Stasi-Schergen. Gemeinsam trotzen sie zwei Profikillern und kommen einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur, die im Zusammenhang mit dem Kongress steht...    


Bewertung:

Über den Film selbst gibt es nicht viel zu sagen. Ein klassischer Thriller in der Tradition der Hitchcock-Filme, auch mit Polanskis Frantic oder der Bourne-Reihe lässt er sich vergleichen. Ein Mann sucht etwas, wahlweise einen Gegenstand oder eine Person, findet Menschen, die ihn unterstützen und solche, die ihn umbringen wollen, er deckt eine Verschwörung auf und so weiter...
All das ist hinlänglich bekannt, in diesem Fall passen alle Zutaten gut zusammen. Unknown Identity ist spannend und rasant, und das muss er auch sein, denn die Logik bleibt manchmal auf der Strecke, zu viel Nachdenken schadet nur - auch das ist mittlerweile normal für dieses Genre.
Was den Film besonders macht, ist die Wahl des Schauplatzes. In der Romanvorlage von Didier van Cauwelaert spielt die Geschichte in Paris. Regisseur Jaume Collet-Serra verlegte die Handlung nach Berlin, weil er der Ansicht ist, Paris sei längst zu Tode gefilmt - womit er zweifellos Recht hat. In klassischen Filmstädten wie Paris, Rom, London kennt der Filmfreund jede Straßenecke und jede Mülltonne, in Berlin hingegen gibt es - zumindest für das Publikum außerhalb Deutschlands - noch einiges zu entdecken. Auch wenn hier mit Vorurteilen nicht gespart wird. Kalte Farben herrschen vor, gedreht wurde im Winter, meist in den weniger attraktiven Vierteln der Hauptstadt - auf den Hollywood-Film, der ein positives Deutschlandbild zeichnet, müssen wir wohl noch eine Weile warten.
Ähnliches gilt für das Personal. Die Deutschen sind meist eindimensional und wenig sympathisch dargestellt, Diane Kruger hätte die Chance, als schöne Taxifahrerin ein Gegenwicht zu bilden - doch sie ernannten die Drehbuchautoren zur bosnischen Einwanderin.             
Bruno Ganz macht aus der Not eine Tugend, indem er den Privatdetektiv und ehemaligen Stasi-Mann herrlich verschroben spielt, allein seine Leistung ist bereits das Geld für die DVD wert.
Der Rest ist guter Durchschnitt.


Infos zur DVD:

Nicht so toll. Seltsamerweise erzählt das Making of noch einmal die Geschichte des Films, den man gerade gesehen hat, wobei die Schauspieler mit Lob überschüttet werden. Dafür wird in den fünf Promointerviews umso weniger erzählt, außer den üblichen Floskeln ist nichts Erhellendes zu hören. Immerhin gibt es ein recht gutes Feature über die Arbeit der Stunt-Leute, und die hatten in dem Film einiges zu tun.


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