Sonntag, 18. September 2011

Sarkozy - der Held von Tripolis

Der Krieg in Libyen ist noch nicht vollständig beendet, da lassen sich bereits die Kriegsgewinner feiern. Am 15.09. besuchten Nicolas Sarkozy und David Cameron die libysche Hauptstadt Tripolis, hielten öffentliche Reden, sprachen mit dem Übergangsrat der Rebellen und erzeugten ganz nebenbei jede Menge heroische Bilder, die von den Medien der Welt verteilt wurden. Gleichzeitig litten und starben anderswo im Land Hunderte, vielleicht Tausende Menschen, von denen allerdings keine Bilder entstanden.

Besonders bizarr erscheint der Auftritt des französischen Staatspräsidenten Sarkozy. Offenbar sieht er sich in der Tradition der französischen Widerstandskämpfer, die heldenhaft gegen das Böse antreten - und dabei vergessen, dass sie zuvor mitgeholfen haben, es zu erschaffen. Auch der Diktator Gaddafi wurde tatkräftig von Franzosen unterstützt. Im Dezember 2007 absolvierte der libysche Diktator einen Staatsbesuch in Frankreich, schlug dabei - wortwörtlich - seine Zelte in Paris auf, besuchte den Louvre und Versailles und traf mit Sarkozy zusammen. Nach außen hin ging es dabei um die Verteidigung der Menschenrechte, tatsächlich schloss man Verträge zur militärischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit ab. Sicher ist, dass die Franzosen die libysche Luftwaffe modernisieren sollten, noch bis kurz vor Ausbruch des Krieges hielten sich Techniker des Rüstungskonzerns Dassault im Land auf. Außerdem versuchte Sarkozy dem Diktator ein Atomkraftwerk zu verkaufen, was aber misslang.

Was ist davon heute noch bekannt? Nicht allzu viel, die meisten Medien konzentrieren sich auf die aktuellen Ereignisse. So wurde kürzlich vermeldet, dass der Übergangsrat beim Wiederaufbau jene Nationen bevorzugen will, die das Gaddafi-Regime bekämpften - also Frankreich und Britannien. Unter anderem braucht die libysche Luftwaffe dringend neue Flugzeuge. Wer könnte die wohl liefern? Vielleicht Dassault?         

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