Freitag, 9. September 2011

Geheimdienste in Libyen - Erinnerungen an Mussolini


Die libysche Revolution geht ihrem Ende entgegen, und es kommen immer mehr schmutzige Geheimnisse des Gaddafi-Regimes ans Tageslicht. Einige sind nicht auf den nordafrikanischen Staat beschränkt. Es mehren sich die Hinweise, dass der amerikanische Geheimdienst CIA und die britischen Dienste MI5 und MI6 mit den Schergen des Diktators zusammengearbeitet haben, u. a. um Terrorverdächtige in libyschen Gefängnissen foltern zu lassen (siehe z. B. Spiegel Online vom 05.09.11). Genaue Informationen sind nicht bekannt, nur von einem Teil der Opfer kennen wir die Namen und wissen ungefähr, was ihnen widerfahren ist - das ganze Ausmaß der Verbrechen wird vermutlich geheim bleiben.
Sicher ist nur, dass unter den Regierungen von George Bush und Tony Blair die Zusammenarbeit besonders intensiv war.

Eine Ausnahme in der Geschichte der westlichen Wertegemeinschaft, könnte man meinen. Normalerweise arbeiten Demokratien nicht mit Diktatoren zusammen. Das ist ein Irrtum. Unmoralisches Handeln westlicher Regierungen und Geheimdienste ist die Regel, nicht die Ausnahme. In Libyen zeigt sich - wieder einmal - eine bittere historische Konstante. Libyen war von 1934 bis 1943 eine italienische Kolonie. Während dieser Zeit kamen über 100.000 italienische Siedler ins Land. Die arabische Bevölkerung wurde enteignet und unterdrückt, bei der Niederschlagung von Aufständen und der Eroberung des Landes setzten die Italiener auch Giftgas ein.

Nun könnte man meinen, dass Benito Mussolini, der Italien und seine Kolonien von 1922 bis 1943 beherrschte, all diese Verbrechen allein zu verantworten hat. Auch das ist ein Irrtum. Auch in diesem Fall sind westliche Regierungen und Geheimdienste mitverantwortlich. Mussolini wurde von britischen und französischen Politikern und Geheimagenten unterstützt, direkt und indirekt, gelangte mit deren Hilfe an die Macht. Ab 1917 erhielt Mussolini mindestens ein Jahr lang Zahlungen vom MI5, die französische Regierung unterstützte derweil seine Zeitung Il Popolo d´Italia, ein rechtes Hetzblatt (Quelle: u. a. Wikipedia). Allerdings sind auch hierzu keine genauen Informationen bekannt, weil dieser Teil der Geschichte bis heute nicht erforscht ist.
Nach dem Ersten Weltkrieg erhielten die Italiener nur einen Teil der Gebiete, die ihnen im Londoner Geheimvertrag versprochen waren, das Land litt erheblich unter den Kriegsfolgen - auch das ein wesentlicher Grund für Mussolinis Machtübernahme. Der Faschismus ist somit ein gesamteuropäisches Werk.

Erstaunlicherweise sind diese Informationen heute nicht mehr Teil des allgemeinen Bewusstseins. Über die Untaten der Nazis wissen wir alles, sie sind bis ins Kleinste erforscht. Über die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs und die Entstehung des Faschismus wissen wir so gut wie nichts. Dabei liegt hier der Schlüssel zum Verständnis aktueller Krisen. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wer negative Energie in das System eingibt, erhält negative Resultate. Diktatoren wie Mussolini oder Gaddafi sind nicht beherrschbar, man kann sie nicht im Sinne einer gerechten Politik lenken und benutzen. Gerechtigkeit ist nur dann gegeben, wenn die Politik allen Menschen nützt und hilft - auch denen in den Folterkellern und Geheimgefängnissen. Von Ehrlichkeit kann man nur dann sprechen, wenn man ehrlich ist gegenüber allen Ereignissen der Geschichte.
Ansonsten wiederholt sich die Geschichte - buchstäblich.

Mehr über den Autor unter: www.elkvonlyck.de

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