Dienstag, 26. Juli 2011

Massaker von Norwegen - die tieferen Ursachen


Am 22.07.11 erschütterte ein doppelter Terroranschlag Norwegen. Zuerst explodierte eine Bombe im Regierungsviertel von Oslo, dann begann ein Attentäter auf der Insel Utoya eine regelrechte Menschenjagd. Am Ende waren über 70 Tote zu beklagen.
Seitdem rätselt die Welt über die Motive von Anders Breivik, des Mannes, der beide Anschläge vermutlich allein geplant und ausgeführt hat. Breivik selbst bezeichnete sich als konservativen Christen, ihm wird eine rechtsradikale Gesinnung nachgesagt. Beides kann nicht stimmen, beides greift als Erklärung zu kurz. Wesentliche Elemente des Christentums sind Liebe, Mitgefühl und Vergebung, in seinem Verhalten lässt Breivik nichts davon erkennen. Fremdenfeindlich, rassistisch und menschenverachtend waren seine Taten zweifelsohne, ein "reinrassiger" Neonazi ist Breivik jedoch auch nicht. Dafür spricht u.a., dass er Winston Churchill und Max Manus als Vorbilder nannte - beide kämpften im Zweiten Weltkrieg gegen das nationalsozialistische Deutschland.
Wie so oft ist auch hier die einfachste Erklärung vermutlich die zutreffende: Breivik ist schlicht geisteskrank. Für eine Psychose sprechen u.a. die Fotos, die er von sich selbst angefertigt hat und die ihn in einer Fantasie-Uniform und als martialischen Kämpfer zeigen. Außerdem wird sein 1.500-seitiges Manifest von jenen, die es bereits gelesen haben, als wirr bezeichnet. Sein Anwalt äußerte sich nach ersten Gesprächen in ähnlicher Weise. Offenbar wähnt sich Breivik in einem Krieg gegen Marxismus und Islamismus, der seiner Ansicht nach 60 Jahre andauern
wird.
Eine entscheidende Frage bleibt: Wie kann ein Mensch in einer hoch entwickelten Demokratie unbemerkt ein solches Krankheitsbild entwickeln?    
Dazu empfiehlt es sich, den Zustand der Welt insgesamt zu betrachten. Hier ein paar Meldungen der letzten Zeit: "Hungersnot ist Ostafrika. Schmelzender Lebensraum - Eisbären in der Klimafalle. Haushaltsstreit in den USA. Nordkorea bereitet großes Militärmanöver vor. Kriegsverbrecher Hadzic schweigt vor UNO-Tribunal. Türkisches Gericht verurteilt Journalistenmörder zu 23 Jahren Haft. Nato bombardiert Gaddafis Kommandozentrale. Hunderte Menschen bei Straßenschlachten in Kairo verletzt."
Übersetzt heißt das: Wir sind Barbaren. Schlimm genug, dass wir ein Experiment mit dem Weltklima anstellen, welches aller Voraussicht nach in einer Katastrophe enden wird. Zudem ist die Menschheit tief gespalten, die Risse ziehen sich durch alle Länder, alle Völker. Die meisten Menschen difinieren sich als einer bestimmten Gruppe zugehörig, den Rechten, den Linken, den Christen, Muslimen, Atheisten, Demokraten, Republikaner, Sozialisten, Kapitalisten, Europäer, Afrikaner, Asiaten... Viele von ihnen glauben, sie würden auf der "richtigen" Seite stehen und die anderen auf der "falschen". Zur Durchsetzung der eigenen Ziele ist vieles, im Extremfall sogar alles erlaubt.
Es ist erlaubt, ein ganzes Land als Geisel zu nehmen, wie derzeit in den USA, es ist erlaubt, Menschen zu verletzen, wie in Ägypten, es ist erlaubt, Menschen zu töten, wie in Libyen, man darf  Massenbombardements durchführen, wie es die Allierten im Zweiten Weltkrieg taten, man darf sogar Atombomben werfen. Das ist die Welt, in der Anders Breivik aufgewachsen ist. Eine Welt, die auf den Prinzipien Kampf und Teilung aufgebaut ist.
Dabei zeigt schon der Klimawandel, dass Teilung nicht existiert. CO2-Emission wirkt sich überall aus, es gibt kein richtiges und kein falsches CO2. Ebenso gibt es keine richtige und keine falsche Gewalt. Eine Bombe der Nato tötet ebenso wie eine aus Nordkorea. Wenn wir unseren Kindern jeden Tag Bilder von Kampf und Gewalt zeigen, wenn wir ihnen von der Spaltung in Richtig und Falsch erzählen, werden sie diese Gedanken übernehmen und danach handeln. Was wir aussenden, kehrt zu uns zurück - in gemäßigter Form und in extremer Form.
Deshalb sollten wir nur positive Signale aussenden. Wer Hunger hat, dem sollten wir zu essen geben. Wer Angst hat, dem sollten wir Mut machen. Und wer krank ist, der sollte geheilt werden.
       
Mehr zum Autor: www.elkvonlyck.de

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